„Tag der Intensivpflege“ - praxisnah, informativ und emotional

03.04.2019

Praxisnah, informativ und emotional war der vom Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not e.V. und der IPK Intensivpflegeklinik organisierte „Tag der Intensivpflege“. Die Informationsveranstaltung mit Angehörigentreff bot neben interessanten Vorträgen auch viel Raum für Erfahrungs- und Meinungsaustausch zwischen den Angehörigen Betroffener und Experten für die Intensivpflege.

 

Immer mehr Menschen pflegen zu Hause. Angehörige schwerst- und intensivpflegebedürftiger Menschen sehen sich dabei mit besonders vielen Herausforderungen konfrontiert. Oftmals bestehen viele Ängste und schnell ist hier die Belastungsgrenze erreicht. Intensivpflegepatienten sind körperlich sowie in ihrem Bewusstsein und ihrer Wahrnehmung stark eingeschränkt. Die Lebensaktivitäten sind oftmals in dem Maß beeinträchtigt, dass Maßnahmen wie Langzeitbeatmung, spezielle Lagerung oder auch künstliche Ernährung notwendig sind.

 

Gabriele Lerch, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit in der IPK Intensivpflegeklink:

 

„Informationsveranstaltungen wie unser „Tag der Intensivpflege“ sollen dazu dienen, Angehörige aufzuklären

und über unterschiedlichste Entlastungsmöglichkeiten zu informieren. Wir möchten dabei helfen,

sowohl die Lebensqualität der Betroffenen als auch die derer Angehörigen zu verbessern.“


Helmut Fendler, Geschäftsführer der GesundheitsManager GmbH in Schwaig, gab in seinem Vortrag wertvolle Tipps zum Umgang und zur Versorgung von Menschen, die beatmet werden und deshalb mit einem Luftröhrenschnitt und einer Trachealkanüle leben müssen. Dabei stellte er heraus, dass Angehörige, die Betroffene zu Hause pflegen, sich von Pflegediensten und Pflegeexperten schulen und anleiten lassen und so selbst einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Komforts der Patienten leisten können. In entsprechenden Seminaren lernen sie beispielsweise, wie Betroffene gelagert werden müssen, um Druckstellen zu vermeiden oder wie sie selbst Verbandswechsel durchführen können, um das Risiko von Entzündungen zu minimieren.


Matthias Eichler, Pflegeberater bei der AOK Nürnberg, berichtete über die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung im häuslichen und stationären Bereich. Sobald der Betroffene vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in einen Pflegerad eingestuft wurde, gibt es verschiedene Arten der Unterstützung, welche sich ergänzen oder kombinieren lassen. Dazu gehören neben Zuschüssen für die stationäre Kurzzeitpflege und die stationäre oder ambulante Verhinderungspflege ebenfalls Zuschüsse für die Tages- und Nachtpflege sowie für pflegebedingte Umbaumaßnahmen im eigenen Zuhause. Kurzzeitpflege greift zum Beispiel bei einer akuten Verschlechterung des Zustands der gepflegten Person. Verhinderungspflege kann in Anspruch genommen werden, wenn die pflegende Person selbst erkrankt ist oder einmal in Urlaub fahren möchte. Um hier richtig informiert zu sein, ist es äußert wichtig, sich direkt zu Beginn einer Pflegesituation von Experten beraten zu lassen. Anlaufstellen sind Sozialdienste und Pflegestützpunkte vor Ort. Auch ambulante Pflegedienste und stationäre Einrichtungen helfen weiter. Die AOK Nürnberg hat ebenfalls Berater im Einsatz, die den individuellen Pflegefall begutachten und situationsbezogen beraten.


Andrea Tresch, Beraterin für Pflege und Therapie für Angehörige und Betroffene beim Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not e.V., ging in ihrem Vortrag auf die Bedeutung der richtigen Art der Gestaltung der Pflegebeziehung als Basis der Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften, Angehörigen und Betroffenen ein. Wichtig sei es, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen zu berücksichtigen und als allererstes Vertrauen aufzubauen. Das verständliche Bedürfnis der Angehörigen, alles im Griff zu haben und der pflegebedürftigen Person nur Gutes tun zu wollen, drücke sich beispielsweise oftmals - auch ganz ohne böse Absicht - in Fragen, Zweifeln oder auch Kontrollzwängen gegenüber der Pflegekraft aus. Die Pflegekraft dürfe dem nicht mit Unmut oder Ärger begegnen, sondern sollte die Angehörigen stattdessen mehr einbeziehen und durch entsprechende Anleitung für deren produktive Teilhabe sorgen. „Vertrauen und Wertschätzung sind die Basis für eine gute Zusammenarbeit“, so Andrea Tresch. „Alle Parteien müssen mit der Pflegesituation und dem Pflegeergebnis zufrieden sein.“


Die Veranstaltung schloss mit einer allgemeinen Diskussion, in der noch viele Fragen beantwortet werden konnten sowie einer Stationsbesichtigung der im Krankenhaus Hersbruck ansässigen IPK Intensivpflegeklinik. Aufgrund der guten Annahme und dem regen Interesse, möchten der Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not und die IPK Intensivpflege weitere Veranstaltungen dieser Art für Angehörige organisieren und Experten weiterer Fachgebiete wie beispielsweise Logopäden, Physiotherapeuten oder Praxisanleiter für Basale Stimulation dazu einladen.

 

Tag der Intensivpflege Bundesverband Schdel Hirnpatienten in Not IPK Intensivpflegeklinik1